|
Vorgeschichte - die fünfziger Jahre In den fünfziger Jahren klaffte ein grosses Generationsloch zwischen der Jugend und deren Eltern. Zum ersten Mal war die Jugend der Meinung, dass sie das Recht hatten, etwas zu verändern. Sie waren es satt, als Kinder behandelt zu werden und sich schliesslich ohne Übergangsphase wie Erwachsene benehmen zu müssen wenn sie die Arbeitswelt betraten oder zur Army mussten. Die soziale Struktur war ihnen zu eingeengt und sie wollten sich als Jugend von den anderen abheben. Sie rebellierten gegen ihr Schicksal, in die gleichen Fussstapfen wie ihre Eltern und Grosseltern treten zu müssen, in jeder denkbaren Möglichkeit.
Die Anfänge - Ende der fünziger Jahre Die Wiege der Mod-Bewegung (Mod = Kurzform für Modernist/Modernism) war der Süd-Westen Londons und fand sich in ihrer gemeinsamen Leidenschaft für die schwarze Musik Jamaika. Diese kannten sie von den schwarzen Rudies (Rude Boys), welche sie mit nach England genommen hatten. Rudie war eine andere Jugendbewegung zur selben Zeit in London. Sie hörten Ska und jamaikanischer Blues, hingen ebenfalls die ganze Nacht in den Clubs herum, doch im Unterschied zu den Mods hatten sie keine Büro-Jobs, sondern waren Hafen- und Fabrikarbeiter. Rudies rasierten ihren Kopf, wie es später um 1969 die Skinheads taten (damals hatte Skinhead noch nichts mit den neo-nazis zu tun - im Gegenteil). Künstler wie Desmond Dekker und Prince Buster kombinierten mento und calypso mit R&B, Swing, Boogie Woogie und Jazz, woraus Ska entstand. Zur selben Zeit spielten Musiker wie Laurel Aiken eine bluesigere Variante des Ska, woraus der Bluebeat hervor ging. (Modern-)Jazz war ebenfalls sehr beliebt unter den Mods. England hatte sich in den Spätfünfzigern immer noch nicht vollständig von den wirtschaftlichen Problemen erholt, die der zweite Weltkrieg verursacht hatte, doch es gab genügend Jobs, die zu besetzen waren. Wegen fehlenden Arbeitskräften, hergeführt durch Kriegsverluste, und dem rasanten Wiederaufbau der Wirtschaft, waren städtische Jugendliche als Arbeitskraft sehr gefragt. Die meisten Mods hatten irgend einen Büro-Job. Dies bedeutete, ein grösseres Einkommen zu haben als viele der anderen Gleichaltrigen, die oftmals noch zu Hause arbeiteten. Auf diese Weise konnten sie sich ihren teueren Lebensstil leisten. Markenkleider, Scooter, Ausgang und ihre Amphetamin Pillen kosteten viel. Die Mods hatten ein Verlangen, ihre eindeutige Identität zu zeigen. Dies taten sie mittels ihrer Scooter (Lambretta's wie die GP 200 oder Vespa's wie die GS 160) und durch ein sehr modebewusstes Äusseres. Ihre bevorzugte Droge waren Amphetamine oder ähnliche Pillen, dank denen sie Nächtelang durchtanzen konnten.
Der klassische Mod - Anfang der sechziger Jahre
Die Mods brauchten einen neuen innovativen Style für ihre Zeit, in der sie lebten. Was zum Mod sein gehörte war, immer in der neusten, besten und originellsten Aufmachung zu erscheinen. Die Mods wollten scharf aussehen und zeigen, dass sie den besten Geschmack in Sache Mode und Style hatten. Derjenige mit den absolut neusten Tanzschritten und Klamotten wurde "The Face" genannt. Der College Boy Stil war sehr einfach. Man trug kurz rasierte Haare, ordentliche Hosen, Fred Perry Tennis Shirts, Militär-Parkas, Wildlederschuhe und ein leichtes Make-Up. Fred Perry Shirts sind heute noch beliebt unter Rudies, Skinheads und Mods. Es ist ein einfaches Tennis Shirt, das nach Fred Perry, dem Gewinner von 11 Wimbledon Wettkämpfen in den 30's, benannt ist und einen kleinen goldenen Lorbeer-Kranz auf der Brust trägt. Der College Boy Stil betrachtete man als ziemlich italienisch, was gut mit ihrer Affinität für italienische Roller passte. Andere Mods trugen Mohair-Anzüge und zeigten sich im Edwardischen Stil. Der Parka - ein Markenzeichen der Mods - diente als stilvollere Alternative zur Lederjacke auf ihren Scooter-Fahrten. Der Ticket Stil gehörte eher den Frauen. Sie trugen schlichte Kleidung, Männerhosen und Hemden, und trugen dunkles Augen-Make-Up auf. Der bevorzugte Haarstil war eine extreme Version der Shingle Frisur wie sie in den 20's Mode war, wobei das Haar am Hinterkopf noch höher als in diesem Bild rasiert wurde. Die Augenbrauen wurden zudem gezupft, um sie schmaler aussehen zu lassen. Auch dieser Stil ist noch heute in diesen Kreisen sehr beliebt, doch damals war dieser Stil sehr gewagt. Die angesagte Musik der Mods war anfangs nach wie vor Ska, doch erweiterten sie ihren Horizont laufend. Amerikanischer Soul und R&B (die raren Singles stammten oft von in England stationierten Soldaten und laufen heutzutage unter dem Namen "Northern Soul") sowie auserwählte einheimische Bands wie The Who, Small Faces, A ction, Yardbirds und Artwoods, die stark vom R&B beeinflusst waren, gaben schon bald den Ton an. Ihre beliebteste und revolutionärste einheimische Band waren The High Numbers, die schon bald The Who heissen sollte und von denen mindestens Gitarrist Townshend ein wahrer Mod war. Sie trugen Mod Kleidung und hatten sowohl viele R&B Standards als auch Eigenkompositionen im Repertoire. Mit ihrer Aggressivität auf der Bühne konnten sich die Mods ebenfalls gut identifizieren. Die Mods in London trafen sich in Clubs wie dem Crawdaddy in Richmond oder Flamingo und Marquee im Soho, wo man ihnen die Gelegenheit bot, Platten auszutauschen und neue Tänze wie den Shake, den Block oder den Bang zu kreieren. Die Medien begannen zu verstehen, was mit der Jugend vor sich ging. Die Mods liessen laut und deutlich von sich hören. Die Musik-TV-Show Ready, Steady, Go! bildete die Mod Club Szene während den Konzerten in ihren Sendungen nach. So konnten sich die Mods ausserhalb von Lon don auf einem relativ neuen Stand halten was die Slang-Wörter, Tänze, Musik und Mode betraf. Bands wie The Who oder die Small Faces spielten vor einem tanzendem Mod Publikum und brachte somit Mod in entlegenere Regionen Englands. Überall wo man in London hin ging sah man Mods auf Scootern herum fahren oder in Nachtclubs die ganze Nacht durch tanzen. Während der Woche gingen sie in ihrer konservativen Umgebung brav arbeiten. Dafür ging es an den Wochenenden so richtig ab. Manchmal machten sie auf ihren Rollern Ausflüge nach Brighton um zu feiern und zu tanzen. Ab und an, vor allem an Bank Holidays, lieferten sie sich heftige Kämpfe mit den Rockern, ihren Erzrivalen mit fettigen Haaren, Lederklamotten und schweren Motorrädern, wie dies in Brighton und Margate passierte. Nachdem man einander mit Gegenständen wie Stuhlbeine die Köpfe zerkloppte, zog man durch die Strassen und randalierte. Während die Rockerbräute auf den Motorrädern sassen und zu schauten, nahmen die Mod Girls mit Enthusiasmus am Geschehen teil. 1963-1964 wurden die Mods und Rockers in weiten Teilen Europas berühmt für ihre angezettelten Jugendunruhen. Auch die Mods hatten untereinander Auseinandersetzungen. So gab es allein in London mehrere verschiedene Mod Gangs, die sich bekriegten. Bis 1968 waren die Kämpfe gekämpft, Flower Power blühte und die Mod Kultur hatte sich aufgelöst. Die Mods waren nun in ihren zwanzigern und führten ein verantwortungsbewusstes Leben. Obwohl die Hauptbewegung tot war, kamen folgten ihnen dennoch viele, welche Mod schätzten und verstanden.
Die zweite Mod Welle - das erste Revival 1979 Durch dem Erscheinen des Filmes "Quadrophenia" 1979 (nach dem gleichnamigen Album von The Who von 1973, das auch in etwas modifizierter Form als Soundtrack diente), erlebte Mod ein wahres Revival. Paul Weller's Band The Jam, trug ebenfalls massgeblich dazu bei. Scooters und der Mod Stil wurden wieder sehr populär unter den Jugendlichen. Im Unterschied zu früher mussten sie sich jedoch nicht mehr so sehr gegen das Gespött der Eltern wehren, denn das Vorhandensein von Jugendkulturen war bis dahin schon normal. Die meisten Mods waren Leute, die sich nicht ganz zum Punk hingezogen fühlten. Dennoch war die musikalische Grenze der neuen Mod Bands wie The Jam so nah an der Punkmusik wie an den frühen Who oder Kinks. Weitere Bands, die von dieser Mod Welle bevorzugt wurde waren The Lambrettas und Secret Affair. Die Punkband The Clash hatte Songs wie "Rudie Can't Fail" oder "The Guns of Brighton" im Repertoire, welche auf die Mod Kultur hinwiesen. Auch Ska wurde wieder populär, nunmehr verschmischt mit Punk-Elementen. So die Bands Madness, The Selecter und The Specials. Um 1981 verschwand Mod wieder, indem er sich weiter entwickelte und daraus Jugendgruppen wie die Poppers entstanden.
Die dritte Mod Welle - neunziger Jahre bis heute Mod kam wieder mit Bands wie Blur oder Oasis auf, als auch neuen Ska Bands wie The Mighty Mighty Bosstones oder The Toasters. Ihr Mod-Aussehen beschränken sie jedoch auf Mod Treffen und andere Sixties Events. Doch die Scooter und machmal auch Amphetamine sind geblieben.
Mod Symbole Gewisse Symbole, sei es auf Aufnähern am Parka oder auf Ansteck-Buttons, stehen für die Mod Kultur. Das berühmteste ist wohl das Target. Ben Sherman, bevorzugte Hemdenmarke der Mods, verwendete damals wie heute britische Symbole sowie solche der Royal Air Force für seine Designs. Das Target stammt von der Royal Air Force. Pfeile oder Union Jacks (britisches Wappen) werden ebenfalls oft im Zusammenhang mit Mod gesehen.
|