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Das Interview fand am 22.09.2002 statt.
Du hast die 60's in deinen besten Jugendjahren erlebt. Was vermisst Du am meisten aus dieser Zeit? Und was davon ist Dir am meisten hängengeblieben? Mein Interesse für populäre Musik aus England erwachte Mitte der 60er Jahre. Diese Invasion war frech und auch schockierend, weil sie (für mich) etwas ganz neues darstellte. Ich fühlte mich rebellisch und klammerte mich während den wenigen einschlägigen Musiksendungen ans Mittelwellen-Radio. Diese Phase war richtig in ihrer Zeit und wichtig in der Zeit meiner persönlichen Entwicklung. Ihr nachzutrauern wäre unklug - ich bin glücklich, sie nicht verpasst zu haben und die Erinnerung daran behalten zu können. Auch hilft sie mir heute, die aktuellen Generationenkonflikte objektiv zu betrachten.
Gab es früher auch schon so viele Parties? Worin unterschieden sie sich zu, beispielsweise unseren Parties? Parties? Das war etwas für Erwachsene: Gartenparties mit viel Weissein, verbrannten Kotletts und am Schluss heimlichen Affären. Unsere "Fetze" beschränkten sich auf Schulsylvester oder Geburtstags-Kellerparties, wo wir alles daran legten, während weniger Stunden alle verbotenen Register zu ziehen und uns so aufgeschlossen wie möglich zu benehmen. Das war auch die Zeit der ersten Zungenküsse, geklauten Zigaretten und auf 20 Watt aufgepustete Lautsprecher im duster dekorierten Klassenzimmern. Diese Parties waren nicht stilvoll, sondern ehrlich und frei von der Leber. Heutige gängige Parties sind Selbstdarstellung, Ekszess und langweilig. Deren Musik erfreut höchstens die Ohren- und Nervenärzte. Zu selten sind heute die Sixties-Parties, die einer kraftvollen Rückführung der Gefühle, hervorgerufen durch die damals so wichtige Musik und die mit ihr verknüpften Erlebnisse, gleichkommen.
Was hälst Du von der Hippie-Bewegung und deren Message, die ja ab 1967 auf die ganze Welt überschwappte? Schon damals kamen viele Trends aus den USA, so die Hippie-Bewegung. Du hattest keine andere Wahl, als dir Blümchen in den Mundwinkel zu stecken, Pot zu kiffen und "Flower Power" zu schreien. Die Hippies zeigten auf, wie böse doch die Welt ist, und niemand wusste, ob das nun die neue, auf ewig währende Religion ist oder ob sie nur geraden den nächsten Sommer überdauern würde. Vietnam war ein Schlagwort. Die Amis machten vor, wie man sich gegenseitig die Köpfe zerklopft und gleichzeitig, wie man in Frieden zusammen leben könnte. Wir auf dem alten Kontinent blieben verwirrt und sangen "Fuck you, Peace!".
Gab es damals Mod Gruppierungen in der Schweiz? Inwiefern glichen sie den "originalen" aus England, wie sie z.B. im Who Film "Quadrophenia" zu sehen sind? Es waren die "Halbstarken", die an jeder Chilbi anzutreffen waren, und um die man respektvoll einen Bogen machte. Das diese Teddies üble Gesellen seien, hatten wir von unseren Eltern gelernt. Zu Leide getan haben sie eigentlich niemandem etwas. Sie fielen durch ihr Äusseres auf. Mods gabs eher wenig als "Brand". Die Kleidung hingegen, die sie trugen, war auch hier erhältlich. Sie war eigentlich salonfähig und nicht stossend. Ich kannte damals jedoch keine eigentliche Gruppierung von Mods.
Was sind Deine Lieblingsbands aus den 60's? The Who als all-time favourites, dann natürlich Kinks, Troggs, Spencer Davis Group, Small Faces, Stones, auch Beatles, Beach Boys… you name them. Auch einige weniger bekannte Grössen. Auch solche, die bloss einen einzigen Hit landeten. Später wurde der Sound revolutionärer, progressiver: Jethro Tull, Led Zeppelin, Fleetwood Mac etc.
Du als grösster schweizer Who Fan... Die Story kenne ich ja bereits, aber für unsere Leser bitte ich Dich, nochmals deine Erlebnisse am 1. Who Konzert in der Schweiz, 1972 in Wetzikon, zu schildern. Das war auch für mich das erste Who-Konzert, ich war 20 Jahre alt. Im Vorfeld hatte ich einen guten Link zu Track Records, sodass ich den Beginn des Konzerts auf John's Seite der Bühne, neben irgend einem Gerät, erleben konnte. Nach Can't Explain bin ich durchgedreht und quer über die Bühne zu Pete geflitzt, um ihm mit dem Anstecken eines Meher Baba-Pins meine Anerkennung seinem Guru gegenüber zu bekunden. Pete erschrak dermassen (ist ja logisch), dass er mich wuchtig von sich stiess. Den Rest besorgten einige Roadies. Den weiteren Verlauf der Show erlebte ich als normalen Zuschauer vor der Bühne, hinter miefenden Rockern stehend, die sich anstrengten, so gelangweilt wie möglich auszusehen, obschon hinter ihnen der Saal kochte. Anschliessend entschuldigte sich Pete bei mir in der Garderobe. Ich fuhr mit ihm und Keith zurück ins Hotel nach Örlikon. Die Welt war wieder in Ordnung.
Hast Du eine Message an die Leser dieser Website? Nein. Alle, die's erlebt haben, räumen dieser Zeit einen individuellen Stellenwert ein. Mich ersetzt es in Staunen, wie viele Jahre seither vergangen sind und dass diese Musik noch in der Lage ist, diese alten Erinnerungen zu aktualisieren. Auf jeden Fall war es eine wichtige Bewegung, die auch weitere Musikrichtungen prägte. Für "meine Generation" ist es wichtig, schön und erlebnisreich, an Veranstaltungen mit 60's und Flower-Power-Platten gehen zu können. Vielleicht doch noch eine Message: Wer's nicht kennt, sollte trotzdem mal hingehen. Die damalige Musik war Handarbeit, ehrlich und sie beweist mit ihrer Qualität, dass sie unsterblich ist.
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