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Das Isle of Wight Festival wurde drei Mal (1968-1970) durchgeführt, bevor man es ab 2002 wiederbelebte. Die ersten drei Jahre werden hier beschrieben.
Datum: 31. August bis 01. September 1968
Ort: Godshill, Isle of Wight, England
Zuschauer: 10'000
Acts: Smile, Harsh Reality, The Move, Orange Bicycle, Jefferson Airplane, Crazy World of Arthur Brown, Halcyon Order, Fairport Convention, Pretty Things, Hunter's Muskett, Aynsley Dunbar Retaliation, Plastic Penny, Tyrannosaurus Rex, The Cherokees, John Peel
In nur 3-wöchiger Vorbereitungszeit war das Festivalgelände auf den Anlass vorbereitetworden. Der Festival-Manager erinnert sich: "Ich wusste nicht, wo ich anfangen sollte, als drei etwa 30 jährige Brüder in einem Bus auf das Gelände fuhren und sagten, sie hätten von diesem Pop Festival gehört und könnten dabei helfen. Zuvor hatten sie an meinem Haus angeklopft aber meine Gattin hatte sie weg geschickt. Sie wollten unbedingt involviert sein und hatten Erfahrung mit Baugerüsten, Maurern etc. So ging ich mit dem Bus ein paar Gerüststangen holen und wir begannen mit dem Bau des Stadiums. Wir kleideten es in schwarzen Plastik. Die Bühne bestand aus zwei Tiefladern welche ich vom guten Büro der British Road Services hatte; und der Generator kam aus Winchester. Wasser fürs Gelände besorgte meine Frau, welche es in neuen Abfalleimern in all den Garagen der Umgebung abfüllte." Angekündigt als das grösste Pop Festival im Land, ging es am frühen Samstag Abend los. 10'000 Leute versammeln sich auf dem Gelände namens "Hayles Field", in der Nähe von Godshill und Niton. Am Sonntag Morgen 08:30 endete das Festival. Wegen technischen Schwierigkeiten gab es meistens eine halbstündige Pause zwischen den Bands. Organisatoren und Sponsoren hatten schon zuvor jegliche Haftung für diese Nacht abgelehnt und die Behörden der Insel waren schon auf sie zugekommen, weil sie Werbung für Getränkestände gemacht haben, ohne im Besitz einer Lizenz zu sein. Der Absperrzaun vom Gelände bestand aus einer Plastikverschalung - weit entfernt vom Standart der nächsten IOW Festivals mit Absperrungen aus Holz. Die Toiletten stellten einfache Gräben dar, die wiederum mit ein paar Plastiksäcken abgeschirmt waren. Die Bühne bestand wie erwähnt aus zwei Tiefladern und einem Gerüst, das notdürftig wieder mit schwarzem Plastik eingehüllt wurde. Auf der rechten Seite war eine grosse Leinwand. Um das Gelände patrouillierten Security-Leute mit Schäferhunden. Wer genau und in welcher Reihenfolge auftrat ist nicht mehr ganz klar. Aber wie heisst es doch so schön: "If you can remember the Sixties, you weren't really there". Das Poster zum Festival kündigte Jimmy Saville an, der berühmte DJ von Radio Luxembourg, doch niemand mag sich daran erinnern, ihn gesehen zu haben. Radio One DJ John Peel, der eine kurze Ansage zu Beginn des Festivals machte, kann sich 26 Jahre nur an etwas erinnern: An eine zerbrechlich aussehende Frau, welche die ganze Zeit geweint hat weil ihre nackten Füsse so kalt waren. Von der Lust überwältigt gibt er ihr seine Socken, welche sie nimmt und davonrauscht. Das wars.
Datum: 29. August bis 31. August 1969
Ort: Wooton, Isle of Wight, England
Zuschauer: 150'000
Acts: Freitag: Mighty Baby, Eclection, Bonzo Dog Dooh Dah Band, Nice Samstag: Gypsy, Blonde On Blonde, Blodwyn Pig, Edgar Broughton Band, Aynsley Dunbar, Marsha Hunt and White Trash, Pretty Things, Family, Free, The Who, Fat Mattress, Joe Cocker, Moody Blues Sonntag: Gypsy, Liverpool Scene, Third Ear Band, Indo Jazz Fusions, Gary Farr, Tom Paxton, Pentangle, Julie Felix, Richie Havens, The Band, Bob Dylan and The Band
Mit Bob Dylan hatten die Organisatoren einen wirklich grossen Fisch an Land gezogen. Nach dessen Zusage wurden bereits 5'000 Tickets verkauft. Um Dylan's Gage raus zu holen, wurdefür den Sonntag Nachmittag, wo er als Headliner auftrat, 2 £ Eintrittspreis verlangt. Um am Samstag dabei sein zu können, musste nur 25 Schilling aufgewendet werden. Mit 10 Schilling mehr war man am ganzen Festival dabei. Am Montag, 25.10. waren bereits 500 Fans eingetroffen und campierten. Darunter auch amerikanische Studenten, welche eine hölzerne Baracke gebaut und sie nach Dylan's Song "Desolation Row" genannt hatten.. Ian Lewis erinnert sich: "Ich begab mich auf den Weg am Montag morgen vor dem Festival. Die erste Mitfahrgelegenheit brachte mich nach Manchester. Eine weitere nach irgendwo nördlich von London. Von da aus begann ich zu gehen. Die Nacht verbrachte ich in einem Schuppen in einem Park. Die nächste Nacht landete ich im Green Park in der Nähe des Palace. Der Park war voller Leute, die im freien übernachteten." Ian nahm dann den Zug nach Portsmouth. "Da gab's kein Dylan in der Jukebox und so liess ich 'America' von The Nice spielen. Ich fühlte ich, als wäre ich von Amerika hierher gelaufen! Die Fähre [zur Isle of Wight] war bis auf den letzten Platz besetzt. Die Leute schliefen auf dem Boden, alle hatten einen Rucksack und Schlafsack dabei, rauchten Geissblätter und diskutierten, was Dylan wohl spielen werde. Das Gefühl das wir hatten war, dass wir an etwas sehr speziellem teilhaben". Das Festivalgelände war doppelt so gross wie im Jahr zuvor und die Organisatoren hatten angekündigt, dass die Tickets diesmal am Festivaleingang verkauft werden. Eine lokale Pfadfindergruppe hatte Zelte für die Obdachlosen aufgestellt und die Leute hatten Nahrung zusammen getragen. Ian Lewis erinnert sich noch an einen grossen Topf voller Bohnen für die Gemeinschaft über dem Feuer blubbernd. "Alle waren so freundlich". Die Bühne war grösser und besser ausgestattet als letztes Jahr. Probleme hatten sich ergeben, als der obere Teil der Bühne absackte, weil ein Trägerbalken (aus verlinkten Gerüststangen gebastelt) nachgegeben hatte. Mit einem hergebrachten Bagger hatte man den Träger auf der Schaufel abgestützt um zu verhindern, dass das Bühnendach zusammen bricht. Der Träger war gestärkt worden und das Design etwas geändert und das Dach hielt. Wenn man Fotografien vom Festival genau betrachtet, sieht man den Knick im Dachgesimms. Das Festival bewirkte unterdessen, dass sich mehr als doppelt so viele Menschen als sonst auf der Insel aufhielten. Der folgende Artikel einer unbekannten lokalen Zeitung aus dem Norden Englands fasste die Atmosphäre zusammen; auf eine so gefällige Art und Weise, dass das Festival Programmheft von 1970 den Text als Nachdruck beinhaltete - als eine Art Statement für den sogar noch grösseren Event. "Während drei Tagen klopfte diese schöne Insel im Solent zu Blues, Folk und Pop Musik Klängen von Küste zu Küste... Zwischen Bäumen verdeckt lag Festival City - eine Zeltgemeinschaft aus Shops, Restaurants und Snack Bars, wo man von Räucherstäbchen bis warmen Mahlzeiten fast alles bekam... Das war die Heimat der Hippies. Sie waren Festivalbewohner, gekleidet in Melonen, Zylindern, gestreiften Decken, zerschlissenen Jeans und Stirnbändern. Sie zeigten Respekt und Toleranz. Wie ein Hippie gesagt hatte: 'Ich wüsste nicht wo man sonst irgendwo in einer Menschenmasse etwas liegen lassen , zurückkehren um es immer noch an Ort und Stelle finden könnte'.".
Erinnerungen von Leuten, die 1969 dabei waren, gibt es hier zu lesen: http://tinpan.fortunecity.com/ebony/546/iow1969-vfthemud.html

Datum: 26. bis 30. August 1970
Ort: Afton, Isle of Wight, England
Zuschauer: 600'000
Acts: Mittwoch: Judas Jump, Kathy Smith, Rosalie Sorrels, David Bromberg, Redbone, Kris Kristofferson, Mighty Baby Donnerstag: Gary Farr, Supertramp, Andy Roberts Everyone, Howl, Black Widow, Groundhogs, Terry Reid, Gilberto Gil Freitag: Fairfield Parlour, Arrival, Lighthouse, Taste, Tony Joe White, Chicago, Family, Procol Harum, The Voices of East Harlem, Cactus Samstag: John Sebastian, Shawn Phillips, Lighthouse, Joni Mitchell, Tiny Tim, Miles Davis, Ten Years After, Emerson Lake and Palmer, The Doors, The Who, Melanie, Sly and the Family Stone. Mungo Jerry waren dort, wollten aber nicht spielen, Tiny Tim mit The Islanders Sonntag: Good News, Kris Kristofferson, Ralph McTell, Heaven, Free, Donovan, Pentangle, Moody Blues, Jethro Tull, Jimi Hendrix, Joan Baez, Leonard Cohen, Richie Havens, Hawkwind
Anfangs Juni 1970 hatten erst The Who, Richie Havens, Chicago, Pentangle und Mungo Jerry definitv zugesagt. Die DJ's Rikki Farr und Jeff Dexter werden auch dabei gewesen sein. Ein weiterer Puzzle-Stein wurde gelegt, als im Juni Joan Baez als das Sonntags-Highlight exklusiv verpflichtet wurde. Es sollte ihr erster Auftritt nach drei Jahren Abwesenheit von England sein. Da ihr Mann in den USA im Gefängnis war, hatte sie sich geweigert, seit Woodstock 1969 überhaupt irgendwo aufzutreten. Pressechef Peter Harrigan sprach über mögliche Probleme, die auftauchen könnten: "Dies ist unser drittes Festival. Beim ersten Mal brachten wir Jefferson Airplane rüber. Wir hatten 10'000 Zuschauer und die Bühne war einfach auf Zwei Lastwagen. Letztes Jahr hatten wir Bob Dylan und um die 150'000 Leute kamen um ihn zu sehen. Wir erwarteten nur 50'000 und um ehrlich zu sein, waren die Sanitären Einrichtungen und das Catering wurden zu stark strapaziert. Wir haben viel gelernt von der Vergangenheit und dieses Jahr planen wir alles für ca. 200'000 Leute. Und wenn mehr Besucher kommen - wir haben Umfragen gemacht und es gibt viele Übertreibungen was die Anzahl Besucher betrifft - werden wir noch mehr Toiletten etc. bereit haben die sofort einsetzbar sind. Die Tatsache dass wir auf einer Insel sind beruhigt die Situation. Die Leute werden nicht die Möglichkeit haben, mit dem Auto her zu kommen und wir werden keine langen Staus haben. Fähren werden die ganze Nacht fahren und lokale Unternehmen organisieren den Transport zum Festivalgelände. Es wird eine grosse Camping Fläche rund um die Arena geben. Wir haben über £100'000 für die Gagen der Bands ausgegeben und etwa noch mal so viel für den Aufbau des Festivals. Wir hätten weniger für die Anlagen ausgeben können um einen grossen Gewinn zu machen, doch die Leute würden enttäuscht sein und würden das nächste Jahr nicht mehr kommen. Das ist nicht das, was wir wollen. Wir wollen, dass es ein jährlicher Anlass wird und einige Jahre dauert". Am 23. Juli wurde die Übereinkunft zwischen dem Gemeinderat und Fiery Creations als Organisator unterzeichnet, dass das Festival ordnungsgemäss stattfinden kann. Ron Smith, der Festival Manager: "Wir brauchten 3-4 Wochen, um die Grundeinrichtungen des Festivals aufzubauen. In einer alten Knopf Fabrik hatten wir eine Werkstatt eingerichtet, wo wir Toilettensitze aus Glasfaser herstellten. Auf dem Gelände hatten wir neun Bagger, mit denen wir mehrere Meilen ausgruben, um Leitungen zu bauen. Hinzu kamen hunderte Wasserhäne und über tausend Toiletten". Die 38 Morgen (acres) grosse Arena war komplett umgeben von einer doppelten 9 inch hohen Wand, durch die ein Durchgang für das Catering führte. So konnte laufend die Shops und Restaurants mit Nachschub bedient werden. Es gab auch ein ganzes Fürsorgecamp mit einem voll ausgerüsteten Feldspital, ein Kirchenzelt, ein "Herunterkomm-Zelt" für Leute auf einem schlechten Trip und ein von der Polizei betriebenes Fundbüro. Ein Herausgeber einer führenden Architektur Zeitschrift war überwältigt von dem grossen Aufwand. "Ihr baut eine kleine Stadt hier!" Er widmete den monatlichen Hauptartikel dem Festival. Das 300 Morgen (acres) umfassende Camping Gelände war gratis und für Leute ohne eigenes Zelt wurden grosse Zelte aufgestellt. Wegwerfschlafsäcke aus Papier und Schaumgummi wurden zum Verkauf angeboten. Kurz vor Festivalbeginn klagte ein Angestellter der Kirchgemeinde: "Jedes Stück Gras ist von Hippies eingenommen. Überall Abfall im Dorf, eine Scheissegal-Haltung aller Fans, die alle Kübel und Abfalleimer ignorieren. Eine beachtliche Fläche voller Exkremente. Brot ist Mangelware. Die Busse sind mit Hippies überfüllt und bieten für Einheimische keinen Platz mehr...." In der Woche vor dem Festival gibt er Tag für Tag weitere Kommentare ab: "Mr. C hat gemeldet, dass er am Nachmittag sexuelle Unanständigkeiten in einem Strassengraben gesehen hätte", "Mrs H. erzählt, dass ein nackter Mann heraus gesprungen sei und vor ihrem Auto getanzt habe", "Meldungen von grossflächigem Nacktbaden bei Compton Beach. Ignoriert dies die Polizei einfach?".
 
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