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Datum: 15. - 18. August 1969
Ort: Max Yasgur's Farm,Bethel, nahe New York, USA
Zuschauer: 400'000 (rund eine Million Menschen machten sich auf den Weg, blieben jedoch unterwegs im Stau stecken)
Acts: Joan Baez, Arlo Guthrie, Tim Hardin, Richie Havens, Incredible String Band, Ravi Shankar, Sha-Na-Na, Sly and the Family Stone, Bert Sommer, Sweetwater, Canned Heat, Country Joe & the Fish, Creedence Clearwater Revival, Grateful Dead, Keef Hartley, Janis Joplin, Jefferson Airplane, Mountain, Melanie, Quill, Santana, The Who, The Band, Jeff Beck Group, John Sebastian, Blood ,Sweat & Tears, Joe Cocker, Crosby ,Stills and Nash, Iron Butterfly, Ten Years After, Johnny Winter, Jimi Hendrix
Das legendäre Woodstock-Festival gilt als der Höhepunkt der Hippie-Bewegung und ist mittlerweile Synonym für das Lebensgefühl und die Aufbruchstimmung der sechziger Jahre und einer ganzen Generation. Um Woodstock ranken sich Mythen und Legenden, Millionen behaupten dabeigewesen zu sein. Es waren insgesamt zwischen 400‘00 bis 500'000 Menschen, die aus ganz Amerika an jenem Wochenende im August 1969 in die Catskills Mountains, nahe New York, pilgerten. An Bands & Musikern war (fast) alles vertreten was zu der Zeit Rang und Namen hatte. Für drei Tage waren alle örtlichen Gesetze ausser Kraft gesetzt, das Festivalgelände wurde zum Notstandsgebiet erklärt und es wurde der grösste, bislang bekannte Autostau produziert. Angefangen hatte alles mit zwei Geschäftsmännern, dem Geldgeber John Roberts und seinem Partner Joel Rosenman. Auf der Suche nach einer interessanten Investionsmöglichkeit stiessen sie auf den Manager einer Rockband (Michael Lang) und dem Vizepräsidenten von Capitol Records, Artie Kornfield. Geplant war Woodstock ursprünglich als eine kleine Party, aber nach dem dritten Meeting wurde daraus der Plan für ein Festival mit ca. 50 000 Besuchern. Die Wahl des Ortes Woodstock ist auf die damalige Musikerkolonie (Bob Dylan, The Band u.a.) zurückzuführen, die sich dort angesiedelt hatte und das abgeschiedene Landleben genoss. Bei der Suche nach einem geeigneten Gelände wurden die Veranstalter zuerst in der Nähe des Städtchens Wallkill fündig. Das Projekt stiess bei der Bevölkerung auf heftigen Widerstand und wurde schlussendlich von den örtlichen Behörden per Gesetz verboten. In der Zwischenzeit hatten die Organisatoren schon ganze Arbeit geleistet und zahlreiche Acts eingekauft: Jefferson Airplane machten den Anfang, dann Creedence Clearwater Revival und The Who. Nach und nach sagten die meisten bekannten Künstler zu, währenddessen die Werbung für den Event bereits auf Hochtouren lief. Die Absage der Behörden brachte die Firma Woodstock Ventures (wie sich die Veranstalter nun nannten) in arge Zeitnot, da sie nun ohne Gelände dastanden. Durch eine wundersame Connection fand man unverhofft ein riesiges Farmgelände in Bethel mit einem angrenzenden See. Nach und nach merkten auch dort die 4 000 Bewohner, was vor sich ging und versuchten Woodstock zu stoppen, aber es war bereits zu spät. Zwei Tage vor Beginn betrug der Stau durch Anreisende 108 Kilometer. Auf dem Gelände hatten sich bereits über 20'000 Freaks eingefunden, während noch krampfhaft versucht wurde den Gitterzaun und die Kassenhäuschen aufzustellen. Es zeichnete sich bereits zu diesem Zeitpunkt ab, das nichts so kommen sollte, wie es geplant war. Der Stau der Autos in Richtung Festival wurde immer grösser, die Situation immer chaotischer. Viele Besucher, darunter auch einzelne Künstler, steckten im Stau fest oder kamen gar nie an. Dadurch kam es gleich schon von Beginn weg zu Verzögerungen auf der Bühne. Der Zeitplan liess sich vom ersten Ton an schon nicht mehr einhalten. Die Absperrzäune waren inzwischen niedergetrampelt worden, und die Veranstalter gaben über das PA bekannt, was eigentlich schon lange Fakt war: „this is a free concert - from now on“! Das geplante Konzept war zu keinem Zeitpunkt einzuhalten. Es gab nicht genug Essen, zuwenig Toiletten und auch keine sonstigen sanitären Einrichtungen. Die Bands mussten alle mit Helikoptern eingeflogen werden, da sämtliche Zufahrtswege hoffnungslos verstopft waren. Viele Besucher liessen ihre Autos im Stau stehen und gingen zu Fuss weiter. Tabus gab es in Woodstock keine, die Leute bekannten sich zu ihrem Körper, viele liefen unbekleidet herum. Im nahen See wurde ausgiebig gebadet, Joints machten überall die Runde und LSD war allgegenwärtig. Eine neue Generation erfreute sich hemmungslos, und in vollkommenem Einklang miteinander, dem Rausch der Töne und der Sinne. Am Freitag ging es dann auf der Bühne los mit zahlreichen Folkies: Tim Hardin, Joan Baez, John Sebastian, Arlo Guthrie und der gelungene Auftritt von Richie Havens sorgten für die ersten musikalischen Höhepunkte. Havens musste so lange wie möglich spielen da die nachfolgenden Künstler noch nicht vor Ort eingetroffen waren. Sein bekanntestes Stück „Freedom“ hat er dann als Zugabe gleich an Ort und Stelle improvisiert und komponiert.
In der Nacht zum Samstag kamen dann die ersten Regenschauer und verwandelten das Gelände in ein einziges Sumpfgebiet. Der zweite Konzerttag begann mit der Gruppe Quill, gefolgt von einem 17-jährigen Carlos Santana, der ein wahres Gitarrenfeuerwerk ablieferte und zum ersten mal ausserhalb von San Francisco auftrat. Der Auftritt von Janis Joplin gehörte nicht zu ihren besten. So hervorragend sie in Monterey war, in Woodstock gelang es ihr nicht ganz das Publikum mitzureissen. Noch schlechter schnitten die Grateful Dead ab. Während ihres Gigs drohte die Bühne im Wasser zu versinken, die Gefahr von Stromschlägen für die Musiker war eminent. Die Dead kriegten an diesem Tag überhaupt nichts auf die Reihe und lieferten eines ihrer schlechtesten Konzerte. Wohl auch mit ein Grund, wieso sie nicht im Film zu sehen sind. Einiges fulminanter war dann der Auftritt der britischen Rockgrösse The Who: Unter sichtbarem Einfluss von halluzinogenen Substanzen bearbeitete Pete Townshend windmühlenartig seine Gitarre, kickte einen ebenso dichten Abbie Hoffman von der Bühne, bevor die Band dann das ganze Equipment in seine Einzelteile zerlegte. In den frühen Morgenstunden, es wurde bereits schon wieder hell, begrüssten Jefferson Airplane dann die Menge mit „White Rabbit“ – „One pill makes you large, one pill makes you small...“
Am Sonntag eroberte auch der Engländer Joe Cocker das Publikum mit seiner emotionalen Art zu singen im Sturm. Mit besonderer Spannung wurde der Auftritt von Crosby, Stills, Nash & Young erwartet, der ersten „Supergroup“ des Folk-Rock. Ihre wundervollen Gesangsharmonien passten bestens zur allgemeinen friedlichen Stimmung. Jimi Hendrix bewies zum Abschluss ,dass er zurecht als der beste Gitarrist der Welt galt. Obwohl ein Grossteil der Leute schon heimgereist war begann Jimi (der eigentliche Headliner des Festivals) seinen Set am Montagmorgen um neun Uhr. In seiner Improvisation über die amerikanische Nationalhymne, den Star Spangled Banner, ließ er die Gitarre so klingen als würden imaginäre Flugzeuge über Vietnam Bomben abwerfen. Hendrix sollte schon kurz darauf tot sein.
Die halbe Million Besucher hatte zahlreiche Regengüsse, Nahrungsknappheit, schlechtes Acid und einen allgemeinen Mangel an Organisation hinnehmen müssen, dennoch war es zu keinen grösseren Zwischenfällen gekommen. Zwei Geburten wurden gemeldet, zahlreiche ausgeflippte auf LSD wurden in einem eigens dafür hergerichteten Zelt behandelt. Im Laufe des Wochenendes war die Zone um Woodstock sogar zum Katastrophengebiet erklärt worden.
Obwohl das Projekt Woodstock gesamthaft betrachtet ein reines Chaos gewesen war, gehört dieses Wochende im August 1969 doch zu den wichtigsten Augenblicken des letzten Jahrhunderts und steht stellvertretend für die Zeit als Love & Peace noch die Triebfeder einer ganzen Genration andersdenkender war. Am Schluss blieb ein Millionenverlust für die Veranstalter und das Wissen, einen denkwürdigen Anlass möglich gemacht zu haben, dessen Mythos im Laufe der Zeit immer weiter wuchs. Der Film „Woodstock“ vom Regisseur Michael Wadleigh wurde weltweit ein Riesenerfolg in den Kinos, ebenso erfolgreich war das Soundtrack-Tripple Album, von dem es dann sogar im nachhinein noch einen zweiten Teil gab. Heute findet sich bei Bethel (West Shore und Hurd Road) ein kleines steinernes Monument, das die Stelle, wo das Woodstock Spektakels stattfand, für die Nachwelt markiert. 1994, nach 25 Jahren, wurde ein Jubiläums-Revival probiert: Woodstock II, es spielten Metallica, Melissa Etheridge, Joe Cocker, Salt-n-Pepa, Red Hot Chilli Peppers und andere. Woodstock II, ebenso wie die dritte Auflage haben aber klar gezeigt dass der Spirit von einst nicht mehr herbeizuzaubern ist.
   
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