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Psychedelic
Wichtigste Bands:
Jimi Hendrix Experience, Pink Floyd, Grateful Dead, West Coast Pop Art Experimental Band, Donovan, Beatles, Quicksilver Messenger Service, Tomorrow, Kaleidoscope, Jefferson Airplane, Big Brother & The Holding Co., und alle weiteren Bands, welche ihre psychedelische Phase durchmachten.

Von den vielen Stilrichtungen, in welche sich die Rock/Pop Musik teilen lässt, ist Psychedelia wohl am schwersten zu erfassen und zu beschreiben. Es ist ein Sound, der grundsätzlich dazu da ist, um "auf die andere Seite durchzubrechen", wie es Jim Morrisson ausdrückte. Er selbst zitierte in dem Doors Lied "Break On Through (To The Other Side)" den Romanschriftsteller Aldous Huxley, welcher wiederum inspiriert wurde vom Romantik-Dichter William Blake. Psychedelische Musik ist und bleibt ein Genre, das ständig in Bewegung ist und keinen Regeln folgt.
Dennoch kann der Bedeutung dieser wirbelnden und manchmal verzogenen oder desorientierenden Klängen auf den Grund gegangen werden, indem man die Entwicklung dieser Musik betrachtet und die Wurzeln des Wortes "Psychedelia" erforscht. Entgegen allgemein gültiger Ansicht entstand und starb psychedelische Musik nicht in San Francisco im Summer of Love 1967.

Der Ausdruck "psychedelisch" stammt aus einem Briefwechsel zwischen zwei Pionieren im Studium von psychoaktiven Drogen Anfangs der Fünfziger Jahre: Humphry Osmond, ein britischer Psychiater, der mit Meskalin und LSD experimentierte, um eine Heilung für Schizophrenie und später für Alkoholabhängige zu finden, und Aldous Huxley, dem englischen Autor und Verfasser von "Brave New World (1932) und "The Doors of Perception (1954). Diese Männer brauchten einen Ausdruck, um den Effekt zu beschreiben, den sie bei Einnahme ihrer Drogen hatten. Osmond schlug "psychedelic" vor - abgeleitet vom griechischen psyche (Geist oder Seele) und delein (zu offenbaren).

Die Wissenschafter, welche die Effekte von psychedelischen Drogen studierten, darunter auch Albert Hoffmann, der als erster Mensch LSD herstellte, bemerkten von Beginn an nebenbei die erhöhte Sensibilität gegenüber Musik - zum Beispiel, dass man Klänge als Farben und Formen wahrnimmt. Man fand auch heraus, dass man durch Musik die einzigartige Fähigkeit besitzt, den Drogenrausch wieder heraufbeschwören zu können, lange nachdem die chemischen Substanzen nachgelassen hatten zu wirken.

In den späten Fünfzigern und frühen Sechzigern tauchten in bestimmten Kreisen von Autorer, Künstlern und Psychiater in Los Angeles, New York und London legale psychologische Drogen auf. Zwangsläufig experimentierten bald auch Musiker damit. Eine Studio-Surf Band namens The Gamblers waren die erste Rockgruppe, welche als erste LSD auf einer Aufnahme erwähnte. Ihr Instrumental-Song "LSD 25" war die B-Seite von "Moon Dawg", einer Single die 1960 auf dem World Pacific Label herauskam. Doch die scharfe Gitarre und das nach Bar-geklimper tönende Piano hatte nichts vergleichbares mit dem Sound an sich, der später Psychedelic Rock genannt wurde. Das selbe gilt für "Hesitation Blues", ein Song aus 1963 vom New Yorker Folk Musiker Peter Stampfel, welcher vermutlich zum ersten Mal das Wort "psychedelic" im Songtext beinhaltete.

Bis 1966 dauerte es, bis die Kollision zwischen psychedelischen Drogen und Rock in einem aufregenden neuen Musikstil resultierte. Ausgelöst vom 'in sich gehen' nach seinem ersten LSD Trip, komponierte Beach Boy Brian Wilson das atemberaubende "Pet Sounds" Album (1966). Die Beatles antworteten mit dem Album "Revolver" (1966), dessen letztes Lied "Tomorrow Never Knows" von John Lennon's ersten tiefgründigem Trip inspiriert wurde.In Austin, Texas, debütierte Roky Erickson und seine Band mit einem Album namens "The Psychedelic Sounds of The 13th Floor Elevators" (1966). Die Liner-Notes auf dem Album ermutigten offen zum Experimentieren mit halluzinogenen Substanzen. Und obwohl die Byrds bei Veröffentlichung ihrer Single "Eight Miles High" im selben Jahr bekannt gaben, dass es im Song um einen Düsenflug handle, wurde der jenseitig klingende Song wegen den angeblichen Drogenanspielungen von den meisten Radiostationen gebannt.

Viele der Musiker sprachen offen über ihre Erfahrungen mit psychedelischen Drogen. Doch bis Ende 1966 wurde genug darüber geschrieben (vielfach in Panik machender Erzählweise), dass sogar Jugendliche im Landesinneren, die noch nie etwas potenteres als ein Bier zu sich genommen hatten, zu glauben wussten, wie eine halluzinatiogene Erfahrung aussah.

In lärmenden und chaotischen Singles imitierten eine Welle von Garage-Bands die Britischen Beat-Bands wie die Beatles und Yardbirds und sangen über "bad trips", die oftmals ausser Kontrolle geraten oder man dabei den Verstand verliert. 1972 sammelte der Rock-Kritiker Lenny Kaye all die beinahe vergessen geratenen Lieder von Bands, welche oftmals nie mehr als ein paar Singles aufgenommen hatten, und brachte sie auf einem Album namens "Nuggets: Original Artyfacts from the First Psychedelic Era, 1965-1968" heraus. Es erwies sich schliesslich als sehr einflussreich für die kommende Punk-Bewegung, denn es zeigte auf, dass Attitüde und Einfallsreichtum wichtiger waren als technische Fähigkeiten (auf dem Instrument).Sogar in der Zeit um 1966 beim Aufblühen psychedelischer Musik war klar, dass es wichtiger war, dass sie als solche gekennzeichnet war und nicht ob der Musiker selbst Drogen nahm oder nicht. Die Markenzeichen dieser Musik beinhaltete --> wiederkehrende, Mandala-ähnliche Song-Strukturen, lang gezogene oder dröhnende Melodien --> eine Neigung zum Einfliessen in Trance versetzender Instrumente anderer Länder (die indische Sitar, das japanische Gamelan, Jouiouka-Trommeln und das australische Didgeridoo) --> stark veränderte Klänge (Echo-Effekte; Veränderung der Bandgeschwindigkeiten oder Rückwärtslaufen von bestimmten Tonspuren; geschichtete Abmischungen, sodass man bei jedem Hören wieder neue Klänge im Hintergrund entdeckt, vorallem mit Hilfe von Kopfhörer).

Im Zuge der experimentierfreudigkeit im Studio verbesserte sich auch die Aufnahme-Technologie. Bands begannen das multitracking anzuwenden. Dies erlaubte ihnen, viele verschiedene Instrumente übereinander zu schichten, ohne alles live in einem Zug einspielen zu müssen. Zusätzlich wurde in den USA das Radio erwachsen und es begann, ein lockereres Programm zu halten, wo auch längere Album-Songs Platz hatten.

Als die Bands erfolgreicher wurden und ihr Ruf gefestigt hatten, erhielten sie die Gelegenheit, mehr Zeit im Studio zu verbringen. Dies gab den Weg frei für Konzept-Alben wie das "Sgt. Pepper's Lonely Heart Club Band" der Beatles (1967) oder "S.F. Sorrow" der Pretty Things (1967). Das Jahr 1967 sah auch die Veröffentlichung der klassischen psychedelischen Scheiben "The Piper at the Gates of Dawn" von Pink Floyd, "The Velvet Underground and Nico" von Velvet Underground, "Are You Experienced?" von The Jimi Hendrix Experience, "Da Capo" von Love, "Surrealistic Pillow" von Jefferson Airplane sowie die gleichnamigen Debut-Alben von The Doors The Grateful Dead. In der Zwischenzeit begannen die Kinder des Baby-Boomes eine neue Jugend-orientierte Gegenkultur - von den Medien "Hippie" genannt - an Grossanlässen wie dem 14-Hour Technicolour Dream in London oder in der ausgeflippten Gegend von San Francisco's Haight-Ashbury zu zelebrieren. Timothy Leary ruft zu "Turn on, tune in, drop out" auf und LSD wird offiziell illegal in den USA. Unweigerlich kam es zum Rückschlag des ganzen Hypes. Die Szene der Haight erlitt so viele Verluste wie es Geiste erweiterte; und alarmierende Geschichten wie die wegen Drogen zusammengebrochenen Syd Barrett (Pink Floyd) und 13th Floor Elevator's Rocky Erickson häuften sich.

Gegen Ende des Jahrzehnts kehrten viele Bands zu etwas gemässigten psychedelischen Klängen zurück. Auf keinen Fall aber kam das dieses Musikgenre zum Ende. Es fuhr fort, sich zu mutieren, entwickeln und aufblühen, wann immer Musiker sich vor nahmen, im Studio auf neue Ufer zu stossen. In den frühen Siebzigern entstanden Alben wie "Space Ritual" von Hawkwind (1973), "Atom Heart Mother" von Pink Floyd (1970), "Taking Tiger Mountain (By Strategy)" von Brian Eno (1974) oder "Phallus Dei" von Amon Düül II (1969), welche Pionierleistungen in Sachen (analoger) Synthesizers beinhalteten. Die psychedelische Musik war bereit für die nächste grosse Mutation: Progressive Rock, dessen Hauptvertreter allen voran Yes, Genesis und Emerson, Lake & Palmer waren.

Wie Jerry Garcia, Chef der Grateful Dead, einst sagte: "Rock'n'Roll bietet das, was die Kirche früheren Generationen bot". Und keine andere Form von Rock versucht mehr Seelen zu ernähren als Psychedelia.

 
 

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