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Soul / R&B
Wichtigste Musiker / Bands:
Otis Redding, Aretha Franklin, James Brown, Wilson Pickett, Marvin Gaye, Temptations, Smokey Robinson, Martha & The Vandellas, Supremes, Sam Cooke, Booker T. & The MG’s, Staple Singers, Sam & Dave, Solomon Burke, Stevie Wonder, Ike & Tina Turner, Chamber Brothers, Sly & The Family Stone.

Soul, auch unter dem Namen R&B (Rhythm’n’Blues) bekannt, war und ist die Musik des schwarzen Amerika. Die reiche musikalische Tradition des Gospel und des Blues brachte schon in den fünfziger Jahren zahlreiche talentierte Musiker hervor, als Übervater dieses Genres gilt der Pianist und Sänger Ray Charles. Mit „What I’d Say“ lieferte er die Blaupause für künftige Soulmusiker indem er die spirituelle Intensität des Gospel mit treibenden Rythmen des Blues und Rock’n’Roll mischte. Neben Ray Charles waren in den 50’s auch schwarze Vocal-Groups wie die Drifters, die Olympics und die Coasters erfolgreich. In den frühen Sechzigern entwickelte sich der R’n’B weiter zum klassischen Soul. Prägende Merkmale waren der treibende Backbeat, die messerscharfen Bläsersätze und die spirituelle Intensität des Gospel. Im Süden der USA war vor allem das in Memphis ansässige Label Stax/Volt die treibende Kraft, im Norden entwickelte sich das Detroiter Label Tamla/Motown zum umsatzstärksten Independent-Label Amerikas. Die Musik des Südens war mehr vom Blues und Country geprägt, erdiger und tiefgründiger. Motown hingegen setzte neue Booker T. & The MG's Massstäbe in Sachen Produktion und brachte geschliffene Tanznummern und Balladen auf den Markt, die von den immergleichen Produzenten- und Songwriter-Teams auf Hochglanz getrimmt wurden. Neben Motown und Stax war Antlantic Records die dritte treibende Kraft des Soul-Booms. In ihren hauseigenen Muscle Shoals-Studios wurden Stars wie Aretha Franklin, Wilson Pickett und Arthur Conley produziert, im Hintergrund agierte jeweils die gnadenlos groovende Muscle Shoals Rhythm Section. Auch Dusty Springfields Klassiker „Son Of A Preacher Man“ wurde hier aufgenommen. Analog zu den Muscle Shoals Studios hatten auch Stax und Motown ihre Hausbands, welche den Label-typischen Sound prägten und bei allen Sängern und Vocal- Groups für den treibenden Beat sorgten: In Detroit waren das die Funk Brothers (vor kurzem zu späten Ehren gelangt im Doku-Film „Standing In The Shadows Of Motown“) in Memphis wurde aus der gemischtrassigen Begleitgruppe Booker T. & The MG’s sogar ein eigenständiger Act der zu den erfolgreichsten des Stax-Labels avancierte. Sie sind u.a. auf allen Aufnahmen von Otis Redding und Sam & Dave zu hören und hatten mit der Instrumentalnummer „Green Onions“ einen Riesenhit. Der Soul Musik gelang immer öfter der Sprung aus den (rein schwarzen) Black Music Charts in die (von Weissen dominierten) Billboard Pop Charts. Auch die Bands der British Invasion (Rolling Stones, Beatles, Animals, Zombies) hatten alle Coverversionen von R’n’B-Songs im Repertoire und machten diese Musik nun bei einem breiten Publikum bekannt. Einen grossen Verlust musste die Musikwelt am 10. Dezember 1967 hinnehmen als Otis Redding, der begnadetste Soulsänger aller Zeiten, in Madison (Wisconsin) mit dem Flugzeug abstürzte. Sein „(Sittin’ On) The Dock Of The Bay“, nur wenige Tage vor dem Unglück aufgenommen, wurde posthum welweit zum Number One Hit. Mit dem Aufkommen der psychedelische Ära entstand eine Fusion aus Soul und Psychedelic, der Psychedelic Soul. Motown war mit seinem Produzenten Norman Whitfield und Acts wie den Temptations und Edwin Starr auf neues Terrain vorgestossen. Verzerrte Wha Wha-Gitarren und sparsame Grooves mischten sich mit politischen Statements und reflektierten das neue Selbsbewusstsein der schwarzen Bevökerung Amerikas und die furchtbaren Bilder die täglich aus Vietnam kamen. Von den Temptations und Sly & The Family Stone war es dann nur noch ein kleiner Schritt zum Funk der siebziger Jahre. Nicht alle Soulkünstler und ihre Labels konnten sich in dem neuen politisierten Umfeld behaupten. Hinzu kam die Verlagerung von der Single hin zu ganzen Alben, was viele der Acts schlicht überforderte. Die Zeit der massgeschneiderten Produktionen mit zum Teil austauschbaren Frontfiguren war vorbei, die Rockmusik überollte die ganze Musiklandschaft und dominierte den Markt. Gegen Ende der Sechziger wurden die Charterfolge für Motown rarer und Stax verschuldete sich nachhaltig, die Songwriter-Teams sprangen ab und für viele Künstler war schlicht kein Platz mehr vorhanden. Soulmusik spaltete sich in diverse Untergruppierungen auf, fusionierte mit anderen Stilen, erlebte zahlreiche Revivals und ist bis heute ein fester Bestandteil der Popmusik. Ob Funk, Disco, Philly Soul, Nothern Soul, RnB oder Hip Hop, die Wurzeln dieser Stile liegen alle im Soul der 50’s und 60’s.

Say It Loud – I’m Black & Proud! (James Brown, 1969)

 
 

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