In den USA waren Radiostationen schon lange sehr verbreitet, hatten mehrere Studios und viele von ihnen sogar ein eigenes Orchester. Als Ende der Fünfziger serienmässig Radioempfänger in Autos eingebaut wurden, nahm der Radio-Boom einen grossen Sprung. Bereits Anfang der Sechziger kamen immer wie mehr FM (=UKW) Stationen auf, die zwar eine kürzere Reichweite als die AM Stationen hatten, dafür eine bessere Tonqualität boten. Andererseits hatten noch nicht viele einen Radioempfänger für FM. Daher war dieser Sound bis in die Siebziger Jahre eher den Musikenthusiasten vorenthalten. Nichts desto trotz waren die FM Stationen interessanter für die Jugend. Der Grund: Bis 1965 durften die FM Stationen noch die Hälfte des Tagesprogramms ihrer AM Mutterstation aussenden. Doch danach wurden musste ihr Programm von Gesetzes wegen die meiste Zeit ein Anderes sein. Dies nötigte viele FM Stationen, ein eigenes Programm zu gestalten. Viele von ihnen sahen darin eine Chance und begannen, mit neuen Sendeformaten zu experimentieren, die von den alten "Top 40" oder ähnlich abwichen. Pacifica Radio Network, gegründet vom progressiven Poeten und Journalisten Lewis Hill, unterhielt mit WBAI in New York sowie KPFA in Berkley die ersten solchen "Freeform" Radio Stationen. Letztere diente dem Beat-Poeten Allen Ginsberg in den Spätfünfzigern als Plattform. WOR in New York strahlte ab 1966 ebenfalls progressive Musik aus. Murray the K., der für das Programm verantwortlich war, liess die DJ's längere und wildere Songs spielen als in den üblichen AM Hit Stationen. Dazwischen reihten sich Interviews mit den Musikern ein. Immer wie mehr Stationen entwickelten sich in diese Richtung. Selbst AM Stationen fingen an, alternative und nicht Chart-orientierte Musik zu spielen. Die erste davon war KXOA in Sacramento. Dies verhalf sicherlich zu der Tatsache, dass gegen Ende der Sixties die LP einen höheren Stellenwert inne hatte als eine Single. Wurde früher die Beliebtheit und das Können einer Band anhand von Single-Veröffentlichungen gemessen, so war jetzt der Longplayer massgebend. Schliesslich konnte man Mitte des Jahrzehnts noch davon ausgehen, dass jedes Lied über 4 Minuten nicht im Radio gespielt würde, wodurch die LP nicht gefördert wurde und meist nur die Single-Hits beinhaltete - vollendet mit ein paar Füll-Liedern. (Wenige Bands wie die Beatles bilden hier eine Ausnahme, die es stets nicht einmal nötig hatten, einen Single-Erfolg auch auf eine LP zu pressen, denn auch die LP-Tracks waren klanglich sowie vom Songwriting her überaus hochstehend). Landesweite Beachtung fand FM-Radio als Tom Donahue 1967 mit KMPX-FM begann zu senden - nach dem Motto: "keine Jingles, keine Endlosdiskussionen, keine Zeitverschwendung und keine Pop Singles". Ironischerweise war Donahue selbst ca. 10 Jahre lang Top 40 DJ bei grossen Radiostationen, was ihn mittlerweile jedoch langweilte. Er hatte mit seiner KMPX-FM solchen Erfolg, dass er gefragt wurde, in Los Angeles eine zweite solche Freeform Radiostation aufzubauen. Daraus wurde schliesslich KMET. Freeform war weniger ein Format sondern vielmehr eine Plattform für den musikbegeisterten spontanen Discjokey.
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